Kurt Spitaler

geboren 1966 in Bruck/Mur (Stmk)
aufgewachsen in Judenburg (Stmk) und Großbuch (Ktn)
Studium der Soziologie an der Uni Wien
Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste bei B. Gironcoli
lebt in Wien / arbeitet in Kottingbrunn (NÖ)

Mitgliedschaften:
Künstlerhaus Wien Kunstverein Baden
IG-Bildende Kunst

Öffentliche Ankäufe:
Land Niederösterreich
Land Kärnten

publiziert in:
Mein Industrieviertel (Anthalogie), Hg. Wolfgang Kühn, Literaturedition NÖ 2017
Das Gemeinsame im Prozess 2017
DON’T TOUCH! Berühren gestattet?, NöART 2015
AT SIXES AND SENVENS, A. Dworak / Kurt Spitaler 2015
Dis / Order, vom Wesen dynamischer Systeme, Kunstverein Baden 2015
different.ways.2.SCULPTURES, Künstlerhaus Wien 2009
voka reise.lust / strukturell.fragil, ecoart 2009
Die Liebe zu den Objekten – Aspekte zeitgenössischer Skulpturn 2008
DrahtSeilAkte, Viertelfestival 2007
21 Hammerschläge zur Utopie, Hochschule f. angewandte Kunst Wien 1994

AUSSTELLUNGEN

2017
Club Alpha, Wien
Kunstverein Baden
art flag festival im Rahmen von Danube dialogues, Novi Sad, Serbien

2016
„Phänomen - die andere Verspannung“, Basement, Wien
„Ei oder Henne“, flat 1, Wien
Kunstverein Baden

2015
„Nature remixed“, Projekt im Rahmen des Viertelfestivals NÖ
„100 Meisterwerke“, Kunstverein Baden
„Don’t Touch! Berühren gestattet?“, Ausstellungsreihe der NöART
„Dis/Order, vom Wesen dynamischer Systeme“, Baden

2014
„At sixes and sevens“, Mali Likovni Salon, Novi Sad, Serbien
„235 km/100 years“, Contemporary Gallery, Zrenjanin, Serbien
Kunstverein Baden
Stal Gallery, Muscat, Oman

2013
„Bewahre deine Illusionen“, Kunstverein Baden

2012
„entre SCULPTURES.2012“, Galerie Prisma, Bozen
„Anfang ist Ende“, Kunstverein Baden
„Verzeichnisse“, artP.kunstverein, Perchtoldsdorf

2011
„40 days Sini Coreth & Kurt Spitaler, Österr. Kulturinstitut, Warschau
Kunstverein Baden
Galerie allerArt, Bludenz

2010
„Skulpturen im Rothschildpark“, Waidhofen/Ybbs
„Glück in der Kunst“, Kunstverein Baden

2009
„different.ways.2.SCULPTURES“, Künstlerhaus Klagenfurt
„different.ways.2.SCULPTURES“, Künstlerhaus Bregenz
„vierzehn“, NÖ Dokumentationszentrum für moderne Kunst
Eco-plus, Wien
„Macht und Gewalt“, Kunstverein Baden

2008
„Natur – Struktur“, Galerie Raumimpuls, Waidhofen/Ybbs
„Auf dem Sockel“, Art-P, Perchtoldsdorf
Schloss Straßburg, Ktn
„Lucid Cocoon“, Kunstverein Baden

2007
„Die Liebe zu den Objekten“, LM-NÖ, St. Pölten
„Linear betont“, Atelier Sakic/Lang, Perchtoldsdorf
„Drahtseilakte“, Viertelsfestival-Industrieviertel, Tattendorf
Internationales Bildhauersymposium Irdning, Stmk
Galerie Arcade, Mödling
Kraftwerk Hornburg, Kärnten
Haus 2001, St. Pölten
Kunstverein Baden
NÖ-Versicherung, St. Pölten

2006
„Das Feuer im Holz“, Ausstellungsreihe der NÖ ART

2005
„that’s new“, IG Bildende Kunst, Wien
Galerie G, Judenburg
„art position 2005“, Brauerei Ottakring, Wien
Internationales Bildhauersymposium, Maria Saal
Galerie in der Herzogburg, St. Veit/Glan
Kunstverein Baden

2004
„re-member 2004“, Kunstverein Baden
Galerie art position, Wien
Galerie K3, St. Kanzian
„Kunst und Golf“, Golfclub Klopein
„art position 2004“, Brauerei Ottakring, Wien
„Die Macht der Farbe“, Theseustempel, Wien
Internationales Bildhauersymposium, Maria Saal

1999
Akademie d. bildenden Künste, Wien

1998
Akademie d. bildenden Künste, Wien
„Limits“, Kultur am Kamin, Stockern
„Gemeinsam einsam“, Kultur am Kamin, Stockern

1997
Akademie d. bildenden Künste, Wien
„red handed“, Semperdepot, Wien
„Gemeinsam einsam“, Kultur am Kamin, Stockern

1996
Akademie d. bildenden Künste, Wien
Galerie Luzanky, Brünn
„Juniblochen“, Kunstforum Schloss Wolkersdorf

1995
Akademie d. bildenden Künste, Wien
Ausstellung zum steirischen Landesförderungspreis, Neue Galerie, Graz

1994
intern. Bildhauersymposium Orlic, Tschechien
Hochschule f. angewandte Kunst, Wien

1993
„6 im Garten 9 im Raum“, Hochschule f. angewandte Kunst, Wien
„21 Hammerschläge zur Utopie“, Kunstforum Schloss Wolkersdorf

In Kurt Spitalers Werken zeigt sich das physische Arbeiten des Verspannens der einzelnen Baum- oder Astteile mit Schnüren oder Seilen ganz deutlich. Es ist nicht nur offensichtlich, sondern auch unmittelbar nachvollziehbar. Spitaler verfremdet Dinge des Alltags. In diesem Fall sind es Bäume und Äste. Sofort stellt sich so etwas wie Vertrautheit ein. Jeder hat schon einmal Fragmente von Bäumen, von denen die Rinde durch Wind und Wetter heruntergewaschen wurde, gesehen. An Flussläufen finden sich solche Stücke oder auch am Meer. Jeder hat schon einmal Dinge vernäht oder auch zusammengebunden und wenn es nur die eigenen Schnürsenkel waren. Nur die Kombination von Holz und dem Vernähen ist es, was ungewöhnlich oder besonders ist. Und hier greift in gewisser Weise auch die surreale Sprache. Die Kombination von ausgehöhltem Holz und dem Vernähen desselben mit farbigen Seilen.

Spitalers inhaltlicher Fokus ist aber wohl am ehesten mit Umschreibungen wie „Genau hinschauen“, einen „Blick hinter die Dinge wagen“ zu erläutern, oder „sich Geschichten oder Sachverhalten differenziert zu nähern“, „den Blick hinein in den Kern der Sache legen“.

Dieser Ansatz ist es der dieses vorsichtige Aushöhlen und Segmentieren der Bäume und Äste nach sie zieht. Dieses Untersuchen und Zerlegen. Spitaler legt gleichsam das Innere frei; fragmentiert, bearbeitet die Einzelteile und montiert sie wieder. An den Stellen, wo der Baum beschädigt war, zeigen sich jetzt im vollendeten Kunstwerk fein ausgearbeitete Löcher. So entstehen Brüche, Durchblicke und Einblicke in den Stamm respektive in den Ast. Und das ist das, was Kurt Spitaler mit dem Begriff der Spurensuche umschreibt: Recherchieren, nachspüren, einer Sache auf den Grund gehen. Auch im übertragenen Sinne zu fragen: Was hält die Dinge zusammen? Um das dann durch Zerlegen und neu Montieren sichtbar zu machen. Dinge und Sachverhalte, Fakten, Ereignisse in ihrer Facettenhaftigkeit von allen Seiten betrachten. Und dieser Anspruch spiegelt sich nicht zuletzt darin, dass seine Objekte auch in unterschiedlichen Positionen aufgestellt werden können. Je nach Ausstellungsraum, je nach den örtlichen Möglichkeiten oder Bedürfnissen setzt Kurt seine Plastiken in Szene. Und wir sehen die Arbeiten immer wieder neu. Wir haben die Möglichkeit uns den Arbeiten immer wieder aus einer neuen inhaltlichen, formalen und räumlichen Perspektive heraus zu nähern.

Hartwig Knack, Kunsthistoriker und Kurator (2016 anlässich einer Ausstellung im Basement, Wien)

Sucht man im bildhauerischen Schaffen von Kurt Spitaler den „fil conducteur“, den roten Faden, wird bei einer ersten Bestandsaufnahme deutlich: bei den Arbeiten handelt es sich maßgeblich um Composita. Auf die sprachliche Ebene umgelegt, könnte man bei den modularen Teilen von Morphemen sprechen, die als kleinste Einheit eine Bedeutung bzw. eine Funktion tragen. Zusammenhalt finden die Elemente oftmals durch Seile, die vernäht werden, aber auch durch Steckverbindungen in Kunststoff. Die Zusammensetzung der Komponenten ist nicht unbedingt heterogen. Der Künstler bleibt innerhalb der einzelnen Arbeit dem gewählten Material treu. Weil zusammenfindet, was zusammengehört? Im Fall des Kochtopfes, dessen Deckel angenäht ist, mag dies stimmen. Die Skurrilität zweier schwarzer Plastikeimer aus dem Baumarkt, die ihrer ursprünglichen Funktion entbunden und an einander genäht wurden, wird zur Deklination des Spiels vom Innen und Außen. In jenen Arbeiten, deren Stofflichkeit bewusst transparent gehalten ist, wird die Öffnung noch weitergeführt und die Grenzen der Durchlässigkeit verschoben. Die Hülle birgt jedoch keinen Kern: Sie ist per se das Objekt. Denn im Gegensatz zur Worthülse, die entsteht, wenn ein Begriff bis zur Sinnentleerung abgenutzt wird, entfaltet sich bei Kurt Spitalers Zugang so etwas wie Freiraum. 70 Tage hat der Künstler ein transparentes Tagebuch geführt, deren scheinbare Inhaltslosigkeit dem Betrachter eine ideale Projektionsfläche bietet.

Variation und Serie sind – ähnlich der Flexion im Sprachgebrauch – Teil des künstlerischen Prinzips. Die Reduktion auf wenige Farben, die sich aus dem verwendeten Material in seiner konsequenten Verwendung als Rohstoff ergibt, geht mitunter auf technische Voraussetzungen zurück. Die Kunststoffseile, die er zum Nähen verwendet – so erklärt der Bildhauer – sind in Schwarz extrem spröde und fallen daher zur weiteren Verwendung als Produkt aus. Am meisten hält dagegen die Ausführung in Rot aus, das als Seil aufgrund seiner Zusammensetzung nicht nur sehr elastisch ist, sondern als Farbe zugleich für Vitalität steht. Der exakte Kolorit wechselt je nach Charge. Das Prinzip der additiven Verknüpfung, bei der jener Kontrastfaden, der die Komposition zusammenhält, die Partie eines Bedeutungsträgers übernimmt, wird über die Betonung der Kontur hinaus in manchen Arbeiten zur rein grafischen Struktur der Oberfläche weiterentwickelt. Die Regelmäßigkeit des Musters wird in wenigen Objekten bewusst gebrochen. Diese Divergenz ist jedoch deutlich schwieriger herzustellen und bedarf einer detaillierteren Planung als die klare Ordnung der Dinge.

Der Kontrast zwischen organischen Formen, die aus der Wahl des Werkstoffes Holzes hervorgehen, und technoiden Stoffen im Werk Kurt Spitalers ist auffällig und bedeutet zugleich die Überwindung der konkreten Substanz zugunsten von Idee und Form. Das Grundmotiv – die Coniunctio – setzt sich aus mehreren Strängen zusammen: „Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“ (Johann Wolfgang von Goethe, Wahlverwandschaften)

2013 Dr. Theresia Hauenfels, Kunsthistorikerin und Kuratorin